Die Sonne brennt und die Luft ist brütend heiß. In der trockenen Luft liegt ein leichter Staubgeruch von den Schotterstraßen, die sich durch Wupperthal schlängeln. Die südafrikanische Kleinstadt, die etwa 300 Straßenkilometer nördlich von Kapstadt liegt, hat ihren Namen Anfang des 19. Jahrhunderts von Missionaren aus dem Rheinland bekommen. Beim Betreten des Verarbeitungsbereichs wird der Geruch schnell von dem Duft der aromatischen Rooibos-pflanze überlagert. Es ist der letzte Tag der Ernte, an dem der Tee unter der stechenden Sonne auf dem Teehof natürlich fermentiert wird. 

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Landarbeiter glätten fermentierte Rooibosblätter auf dem Teehof. 

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Die seit Jahren steigenden Temperaturen haben den Rooibos-Bauern Barend Salomo vor neue Herausforderungen gestellt. »Wir können den Klimawandel hier überall beobachten. Auch die Wildtierpopulation leidet unter der Trockenheit. Als ich ein Kind war, konnten wir im Gebüsch spielen, aber jetzt ist es wegen der Trockenheit nicht mehr da.« Im Winter regnete es hier früher sieben Tage ohne Unterbrechung. Heutzutage sind es noch höchstens zwei bis drei Tage hintereinander. 

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Die Bewohner*innen von Wupperthal, Nachfahren der indigenen ­Khoisan, die die Pflanze entdeckt und kultiviert haben, bauen Rooibos schon seit vielen Generationen an. Der Tee, der traditionell auch zur Behandlung von Hautausschlägen und Magenbeschwerden sowie als Hautpflegemittel verwendet wird, bildet ihre Haupteinkommensquelle. Doch die extremen Wetterbe­din­gun­gen infolge des Klimawandels gefährden den Rooibosanbau. 

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Rooibosfeld bei Wupperthal 

Der Farmer erzählt von der Herkunft der Khoisan, die wilden Rooibos anbauten, davon, wie sie ihres Landes beraubt wurden und dass der Großteil des Landes auch nach dem Ende der Apartheid noch immer nicht in ihrem, sondern im Besitz der einflussreichen Moravian Church ist.

Resiliente Pflanze

Rooibos ist eigentlich eine trockenheitsresistente Pflanze, die hohen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius standhält, wie sie für die Region typisch sind. 
Ihre Resilienz verdankt die Pflanze auch ihren angepassten Wurzeln, die auf der Suche nach unterirdischem Wasser bis zu sieben Meter tief reichen können. Doch so widerstandsfähig Rooibos auch ist, setzen ihm doch die Klimaveränderungen zu. Vor 20 Jahren noch konnte eine Pflanze bis zu zehn Jahre lang geerntet werden. Heute sind es nur noch sechs Jahre. Bewässerung scheint die naheliegende Lösung zu sein. Doch sie ist in der ressourcenarmen Gemeinde Wupperthal nur begrenzt möglich.

Dürregeplagt

Die Mitglieder der hier ansässigen Genossenschaft, zu denen Landwirt*innen aus 15 umliegenden Städten gehören, teilen die Gewinne jährlich unter sich und mit Gemeinschaftsinitiativen. Die Erträge reichen zwar für diese Kleinbäuer*innen, um die Landwirtschaft weiterführen und sich und ihre Familien ernähren zu können. Es fehlen aber Mittel, um kontinuierlich gegen den Klimawandel anzugehen.  Eine Dürre in den Jahren 2016/17 führte besonders hier zu massiven Ernteausfällen. Die 72 Bäuer*innen der Kooperative büßten fast 80 Prozent ihres Umsatzes ein, während die gesamte Branche laut BBC Verluste von 30 Prozent verzeichnete. 

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Um die Ausfälle während der Dürre zu kompensieren, pachtete die Genossenschaft Land im 120 Kilometer entfernten Citrusdal. In dieser Zeit konnte sie statt der üblichen zwölf nur vier Arbeiter*innen einstellen und die Ernte dauerte nur bis Februar statt bis April. Das führte dazu, dass die übrigen Einwohner*innen kein Einkommen mehr ­hatten. Salomo zufolge tragen die wieder zunehmenden Regenfälle dazu bei, die Dürre zu überwinden. Er stellt jedoch fest, dass sich die Dürremuster im Laufe der Jahre geändert haben, da die Dürreperioden kürzer, aber verheerender geworden sind.

In den kommenden Jahrzehnten ist mit weniger Niederschlägen im Winter und längerer Sonneneinstrahlung im Sommer zu rechnen, wie aus einer Studie der University of Cape Town hervorgeht. Die Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass unter diesen Umständen bis 2070 in den westlichen und nördlichen Anbauregionen des Zederberg-Gebiets 50 bis 90 Prozent des Rooibos verschwinden werden. Wupperthal, das in der südöstlichen Region liegt, hat der Studie nach Chancen, von dieser Entwicklung verschont zu bleiben. Entscheidend sind angepasste Anbaumethoden, die es ermöglichen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und den Feuchtigkeitsmangel infolge zu geringer Niederschläge auf andere Weise auszugleichen.

Das Verschwinden der Pflanze wäre für die Bäuer*innen von Wupperthal ein unermesslicher Verlust. Denn mit ihr ist nicht nur ihr Broterwerb verbunden, sondern ihre gesamte Kultur. Klar ist, dass mehr getan werden muss, um den Rooibos zu retten. Hier steht vor allem der globale Norden in der Pflicht, der den Klimawandel maßgeblich befeuert.


Dieser Artikel erschien in einer Langfassung im Juni 2021 auf Climate Justice Central unter »Warming temperatures not rooisbos farmer‘s cup of tea«. Aus dem Englischen von Harry Adler; Fotos: Kenya Mzee/RLS Southern Africa.

Um die Ausfälle während der Dürre zu kompensieren, pachtete die Genossenschaft Land im 120 Kilometer entfernten Citrusdal. In dieser Zeit konnte sie statt der üblichen zwölf nur vier Arbeiter*innen einstellen und die Ernte dauerte nur bis Februar statt bis April. Das führte dazu, dass die übrigen Einwohner*innen kein Einkommen mehr ­hatten. Salomo zufolge tragen die wieder zunehmenden Regenfälle dazu bei, die Dürre zu überwinden. Er stellt jedoch fest, dass sich die Dürremuster im Laufe der Jahre geändert haben, da die Dürreperioden kürzer, aber verheerender geworden sind.

In den kommenden Jahrzehnten ist mit weniger Niederschlägen im Winter und längerer Sonneneinstrahlung im Sommer zu rechnen, wie aus einer Studie der University of Cape Town hervorgeht. Die Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass unter diesen Umständen bis 2070 in den westlichen und nördlichen Anbauregionen des Zederberg-Gebiets 50 bis 90 Prozent des Rooibos verschwinden werden. Wupperthal, das in der südöstlichen Region liegt, hat der Studie nach Chancen, von dieser Entwicklung verschont zu bleiben. Entscheidend sind angepasste Anbaumethoden, die es ermöglichen, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und den Feuchtigkeitsmangel infolge zu geringer Niederschläge auf andere Weise auszugleichen.

Das Verschwinden der Pflanze wäre für die Bäuer*innen von Wupperthal ein unermesslicher Verlust. Denn mit ihr ist nicht nur ihr Broterwerb verbunden, sondern ihre gesamte Kultur. Klar ist, dass mehr getan werden muss, um den Rooibos zu retten. Hier steht vor allem der globale Norden in der Pflicht, der den Klimawandel maßgeblich befeuert.


Dieser Artikel erschien in einer Langfassung im Juni 2021 auf Climate Justice Central unter »Warming temperatures not rooisbos farmer‘s cup of tea«. Aus dem Englischen von Harry Adler; Fotos: Kenya Mzee/RLS Southern Africa.

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