Als Linke wollen wir weg von dieser Erzählung. Die Linke steht für den Pol der Hoffnung und wird einen entsprechenden Wahlkampf auf die Beine stellen. Wir denken Politik anders. Statt Endzeiterzählungen zu propagieren, wollen wir mit den Menschen Politik machen, auf Augenhöhe. Das persönliche Gespräch ist der Schlüssel, um Menschen zu überzeugen. Statt Sozialneiddebatten bieten wir konstruktive Lösungen an.
Welche Strategie verfolgt die CDU in dieser Gemengelage?
Die CDU agiert vielfach planlos. Sie befeuert den Rechtsruck sogar noch, indem sie Positionen der AfD übernimmt. CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hat schon Tage vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten sein Hauptthema für die kommenden Monate gesetzt: Abbau von Sozialleistungen für die Schwächsten, gespickt mit einer Sozialneid-Debatte, die von Klassismus nur so strotzt. Schulze ruft nach härteren Sanktionen und verpflichtender Arbeit für Empfänger*innen von Sozialleistungen. Er zeigt damit, was er in den nächsten Jahren vorhat: Eine Ellenbogen-Gesellschaft, die nach unten tritt, während die Superreichen immer reicher werden.
Die CDU radikalisiert sich also immer weiter, allerdings ohne Erfolg – das zeigen die Umfragen. Eine AfD 2.0 im christdemokratischen Gewand wählt niemand, der das Original kennt. CDU-Debatten um den Abbau des seit Jahrzehnten von Arbeiter*innen hart errungen Sozialstaats sind ein dienliches Mittel für Sven Schulze, um von seiner absoluten Misere als Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt abzulenken: Intel kommt nicht, das Chemiedreieck (Bitterfeld, Merseburg, Schkopau) droht zu zerfallen, die Landwirte sind seit Jahren auf den Barrikaden. Ein politisches Fiasko, welches mit der vorzeitigen Wahl zum Ministerpräsidenten belohnt wurde. Die Linke hat ihm daher keine Stimmen gegeben.
Was wäre von einer solchen AfD-Beteiligung oder gar Alleinregierung zu befürchten?
Die radikale Rechte träumt von einer Laborsituation in Sachsen-Anhalt, in der sie ein autoritäres System aufbauen will, das sich ein Beispiel an der Regierung von Trump oder auch Orban nimmt: Kitas und Schulen sollen für ihr völkisch-nationales Projekt ideologisiert werden. Migrantische Arbeitskräfte, die mittlerweile einen Großteil der Fachkräfte im Dienstleistungsgewerbe, aber auch im Gesundheitssektor in Sachsen-Anhalt ausmachen, sollen zur Ausreise gedrängt werden. Dazu sollen Vermögensbeschlagnahmungen, Arbeitspflichten und zentrale Lager zwingen. Alles „Kulturfremde“ mit „pervers-linkem Ungeist“ soll weg. Es zählt die traditionelle Familie, in der der Vater das Geld nach Hause bringt und die Mutter zur Gebärmaschine ohne Selbstbestimmungsrechte verkommt. Museen, Schauspiel, Musik, Kulturvereine – sie alle sollen eine „deutsche Leitkultur“ bedienen. Sozialleistungen will die AfD auf das Mindestmaß herunterschrauben und schlägt dafür eine Bezahlkarte für Bürgergeldempfänger*innen vor. Das alles löst natürlich kein einziges realpolitisches Problem in Sachsen-Anhalt: Zum Beispiel Kinder- und Altersarmut, die Bildungsmisere, den Zerfall des Chemiedreiecks, den Fachkräftemangel, die chronische Unterfinanzierung der Kommunen oder die Überalterung auf dem Land.
Die AfD und ihr für Sachsen-Anhalt veröffentlichtes Programm vertreten Hardcore-FDP-Positionen einer bedingungslosen Herrschaft des Kapitals plus völkischer Ideologie. Die CDU sollte die Studien ihrer eigenen parteinahen Stiftung lesen: Sie wird keine Wähler*innen der AfD von sich überzeugen, wenn sie weiterhin die politische Agenda der AfD kopiert.
Im Wahlkampf will sich Die Linke gegen alle Kräfte der Faschisierung profilieren. Was sind eure Schwerpunkte und Methoden? Gibt es Hochburgen bzw. Leuchttürme, in denen ihr zeigen wollt, hier kann man gegen die Entwicklung nach rechts gewinnen?
Die Linke ist eine Partei des Wahlkampfes, im positiven Sinne. Durch Präsenz auf der Straße, in den Vereinen und Ortschaftsräten in Sachsen-Anhalt sind wir, im Gegensatz zu vielen anderen Parteien, nahbar. Zu hohe Preise im Supermarkt, steigende Mieten in den Metropolen, Sanierungsstau bei den Sozialwohnungen im ländlichen Raum, Krankenhausschließungen, Mangel an Ärzt*innen, kaum ÖPNV auf dem Land – das sind die alltäglichen Probleme der Menschen vor Ort. Und dafür bieten wir Lösungen an. Dafür gehen wir an die Haustüren, sind auf den Marktplätzen aktiv, touren mit unseren linken Bussen durchs Land. Wir tragen die Meinung der Straße ins Parlament, sind Meisterin darin, Anfragen zu stellen und Anträge an den Landtag zu verfassen.