Haushaltsarbeiter*innen haben ihre Jobs verloren – als Migrant*innen, teils illegalisiert, hatten viele ohnehin keine Verträge. Während Angestellte ins Homeoffice wechseln konnten, mussten Beschäftigte in der Produktion oft ohne Gesundheitsschutz weiterarbeiten. Und am Homeschooling scheitern fast alle – aber Kinder, denen zu Hause kein Computer zur Verfügung steht, und bei denen niemand Zeit hat, wochenlang das Lernen zu begleiten, haben fast keine Chance mitzuhalten. Dass die Frage der Wohnverhältnisse, der Ernährung, des Arbeitsplatzes und des Zugangs zu Gesundheitsversorgung für ein erhöhtes Infektionsrisiko und für schwere Verläufe zentral sind, haben die Ausbrüche in Schlachthöfen, in Geflüchteten Unterkünften oder Wohnblocks in sozial marginalisierten Stadteilen gezeigt. Nicht zu Unrecht haben Epidemiolog*innen eine wichtige Stimme in aktuellen Debatten, die Sozialepidemiologie verschafft sich hingegen noch zu selten Gehör. Für die USA und Großbritannien ist belegt, dass POC und Migrant*innen ein größeres Risiko schwerer Verläufe haben – im „racial capitalism“ machen sie oft die systemrelevante, aber am wenigsten geschützte Arbeit. Wut auf ein System, dass auch in der Pandemie eine rassistische Nekropolitik betreibt, eine Politik des Sterben-Machens, befeuert derzeit die #BlackLifesMatter-Proteste. Auch hier regt sich endlich Protest. Mit LINKS*KANAX sprechen wir über Rassismus in der Pandemie. Obdachlose und Geflüchteten-Initiativen tun sich zusammen, um ein Ende der Massenunterbringung zu erstreiten, und Sozialwissenschaftler*innen aus dem Care-Bereich melden sich – neben der Virologie – in Fragen einer umkämpften Krisenbearbeitung zu Wort. Was heißt Solidarität in der Pandemie? Wie könnte eine sozialistische Regierungsweise aussehen, die eine Bearbeitung der Krise von denen her denkt, die am stärksten betroffen sind? Ein Blick auf die AIDS-Debatte der 1980er Jahre zeigt, wie solidarischer Selbstschutz aussehen kann. Panagiotis Sotiris hat in dieser Gemengelage die Debatte um eine linke Biopolitik eröffnet, die wir gerne aufnehmen. Weitere Texte unseres Corona-Dossiers finden sich hier.

DAS VIRUS TRIFFT NICHT ALLE GLEICH

Unsicherheiten in Zeiten der Pandemie Von Horst Kahrs Die eigenen vier Wände sind nicht das, wofür wir sie halten Von Eva Illouz NAHAUFNAHME: Alltag in der Krise Covid-19 und »Racial Capitalism« in Großbritannien Wie Rassismus und Klasse in der Pandemie zusammenwirken Von Ellie Gore »Migrant*innen zahlen für diese Krise« Wie eine linke Antwort aussehen muss Gespräch mit Belma Bekos und Jules El-Khatib von LINKS*KANAXIrgendwann sind auch unsere Kräfte am Ende” Illegalisierte Arbeiter*innen in Berlin fordern: Legalisierung jetzt! Von Llanquiray Painemal, Susanne Schultz und Michel Jungwirth Sexarbeit in Zeiten von COVID-19 Zwischen Verbot und dem Kampf gegen Marginalisierung durch Drogen-, Migrations- und Wohnungspolitik Von Jenny Künkel Wie sollen Wohnungslose zuhause bleiben? Geflüchteten- und Obdachloseninitiativen kämpfen für ein Ende der Massenunterkünfte Gespräch mit Nora Brezger vom Flüchtlingsrat Berlin 

BIOPOLITIK VON LINKS

Gelockert in eine neue Normalität der Krise? Teil I: Überlegungen zu einer emanzipatorischen Pandemiebekämpfung Teil II: Ende der Einigkeit: Die Kräfteverhältnisse im Ringen um einen „Exit“ Teil III: Perspektiven einer sozialistischen Gouvernementalität und solidarische Praxen in der Pandemie Von Lia Becker und Alex Demirović Solidarische Biopolitik: Kondome, Masken und die Parallelen zwischen HIV- und Corona-Pandemie Von Wolfram Schaffar Ist eine demokratische Biopolitik möglich? (Teil 1) Von Panagiotis Sotiris Demokratische Biopolitik neu betrachtet: Antwort auf eine Kritik (Teil 2) Von Panagiotis Sotiris #WasWäreWenn – Wissenschaft in gesellschaftspolitischer Verantwortung Gespräch mit Barbara Schäuble Nicht allein ein »Doktor-Problem« Weshalb es eine sozial-epidemiologische Perspektive auf Corona braucht Von Kai Mosebach