Die Grünen, seit zehn Jahren die stärkste Partei im Landtag, kommen momentan nur noch auf 20 Prozent. Sie wurde bei der Umfrage vom 16.10.2025 von der AfD mit 21 Prozent überholt. Stärkste Partei bliebe die CDU mit 29 Prozent. Die SPD liegt gleichbleibend bei 10 Prozent und die FDP bei 5 Prozent. Das BSW kommt bei den Umfragen auf 3 Prozent und würde an der 5-Prozent-Hürde scheitern. Schon jetzt ist zu befürchten, dass die Baden-Württemberg-Wahl die Bundespolitik weiter nach rechts verschieben wird. Einzig Die Linke setzt einen Pflock gegen den absehbaren Rechtsruck bei den Landtagswahlen.
Erstmals wird dabei ein neues Wahlrecht mit Erst- und Zweitstimme angewendet und das Wahlalter auf 16 Jahre herabgesetzt. Von beidem wird die Linke profitieren. Bisher galt in Baden-Württemberg ein antiquiertes Wahlrecht, bei dem die Kandidierendenaufstellung allein in den Wahlkreisen lag. Auch deswegen blieb der Landtag Jahrzehnte lang beim Frauenanteil das Schlusslicht unter den Landesparlamenten. Zudem machte das alte Wahlrecht Parteien, die nicht im Landtag vertreten waren, den Einzug in den Landtag sehr schwer. In jedem einzelnen der 70 Landtagswahlkreise ̶ auch in den entlegensten Regionen ̶ mussten jeweils 150 Unterstützungsunterschriften gesammelt werden. Also insgesamt 10 500 Unterschriften, um überhaupt eine Chance zu haben.
CDU, Grüne, AfD, SPD und FDP wollen regieren …
Doch wofür stehen die Parteien und ihre Spitzenkandidat*innen in Baden-Württemberg? Werfen wir einen genaueren Blick auf die Gemengelage.
CDU: Wirtschaft, Auto, Verbrenner-Aus kippen: Der 37-jährige CDU-Kandidat Manuel Hagel hat in seiner Partei eine steile Karriere hingelegt. Vom jüngsten Landtagsabgeordneten zum jüngsten Landesgeneralsekretär schaffte er es bis hinauf zum Parteichef. Der Mann mit dem glatten und roboterhaften Habitus eines konservativen Muster-Schwiegersohns beschreibt sich selbst als »Familienpapa, VfB-Mitglied und leidenschaftlichen Fasnachter« (Südkurier, 11.4.2025) . Politisch zählt Hagel zum rechten Flügel der CDU. Er gilt als Kritiker von Angela Merkel, vertritt eine harte Flüchtlingspolitik, aber grenzt sich auch deutlich von der AfD ab: »Eine Zusammenarbeit der CDU Baden-Württemberg mit der AfD wird es nicht geben«, so Hagel. Seine Themen sind Wirtschaft, Auto, Verbrennermotor. Klares Ziel von Hagel ist es, das Verbrenner-Aus der EU kippen. Seine hundertprozentige Wirtschaftsorientierung wird deutlich, wenn er den Gesundheitsbereich ausschließlich unter Profitinteressen einordnet: »Wenn wir es richtig machen, können bis 2030 im Gesundheitsbereich Tausende neue Jobs entstehen. Wertschöpfung im zweistelligen Milliardenbereich ist möglich. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Betten, desto mehr Patienten; je mehr Patienten, desto mehr Daten; je mehr Daten, desto mehr Forschung; je mehr Forschung, desto bessere Ergebnisse, desto mehr Start-up-Gründungen, desto mehr Wertschöpfung.« (Südkurier, 11.4.2025) Einen Frauenanteil wird es im künftigen Kabinett mit Hagel nicht geben: »Das Tolle an der CDU ist, dass wir uns nicht über Quoten definieren.« (ebd.)
Die Grünen ̶ das Konservative bedienen, um an der Regierung zu bleiben: Die Grünen würden gerne wieder den Ministerpräsidenten stellen. Seit 14 Jahren ist Winfried Kretschmann Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Seinen Erfolg verdankt der erste und bisher einzige grüne Regierungschef eines deutschen Bundeslandes drei Faktoren: Erstens ereignete sich kurz vor der Landtagswahl 2011 in Fukushima ein Super-GAU in einem AKW. Die Katastrophe führte in der ganzen Welt zu größerer Sensibilität gegenüber Umweltproblemen im Allgemeinen und der Kernkraft im Besonderen.
Der zweite Grund für seinen Erfolg war die Wahlkampfstrategie, der CDU die Klientel abzuwerben. Das gelang auch deswegen – und damit sind wir beim dritten Grund: Die CDU hatte jahrelang kein überzeugendes Personal zu bieten.
Kretschmanns erste Amtszeit brachte durchaus Reformen. So wurde die Gemeinschaftsschule eingeführt, ein Novum in dem Bundesland, in dem ein undurchlässiges dreigliedriges Schulsystem sozialen Aufstieg durch Bildung verhinderte. Nach rechter Mobilisierung gegen die Gemeinschaftsschule unterließ es Kretschmann aber, diese weiter zu stärken. Danach entschied er sich, die Politik und den Habitus der CDU zu kopieren.
2019 stoppte die Kretschmann-Regierung ein Volksbegehren für kostenlose Kitas, das die SPD initiiert hatte und an dem sich ein breites Bündnis von Sozialverbänden, Sozialen Trägern und Gewerkschaften und der Linkspartei beteiligte.
Kretschmann hat sich um soziale Themen nie sonderlich gekümmert, und wenn er mal über soziale Probleme sprach, dann mit Überheblichkeit gegenüber den sozial schlechter Gestellten. Als 2022 viele Menschen Probleme mit den steigenden Energiekosten hatten, sagte Kretschmann, angesichts von Gasknappheit müsse nicht dauernd geduscht werden. Auch der »Waschlappen« sei »eine brauchbare Erfindung«.
Die Forderungen nach Arbeitszeitverkürzungen wies er zurück. »Wir müssen mehr arbeiten«, sagte er und nannte sich selbst als Beispiel. »Ich bin 76 und habe Zwölf-Stunden-Tage. Solange wir gesund sind, keine Kinder erziehen oder Angehörige pflegen, müssen wir mehr arbeiten.« (Tagesspiegel, 9.4.2025)
Seit der Ampel-Koalition ist der Stern der Grünen gesunken. Bei der Landtagswahl 2016 konnten die Grünen in 58 von 70 Wahlkreisen Direktmandate erringen. Das war eine sensationeller Paradigmenwechsel in einem Land, in dem die CDU mehr als ein halbes Jahrhundert eine Flatrate auf 90 Prozent aller Direktmandate hatte. Bei der Bundestagswahl 2025 aber konnten die Grünen gerade noch die drei Wahlkreise ̶ Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart I ̶ für sich gewinnen.
Der 77-jährige Kretschmann wird nicht wieder zur Wahl antreten. Cem Özdemir würde gerne in seine Fußstapfen treten. Verglichen mit Kretschmann kommt er etwas smarter daher und betont seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie. Ansonsten gehört Cem Özdemir auch dem wirtschaftsfreundlichen Realoflügel der Grünen an. Auf seiner Website kann man lesen. »Meine Überzeugung ist, dass Wohlstand immer wieder neu erarbeitet werden muss. Auf Schaffigkeit und Erfindungsreichtum kommt es an – heute mehr denn je. Wer in dieser Welt des Wandels nicht besser werden will, hat aufgehört, gut zu sein.« Wenn er in Baden-Württemberg auftritt, legt er noch eine Schippe schwäbische Mundart drauf. Gerne redet er – wie sein Konkurrent Hagel – über den VfB Stuttgart.
Wie Kretschmann ist auch Özdemir dafür, das für 2035 geplante EU-weite Verbrenner-Aus zugunsten der schwächelnden Autoindustrie vorerst auszuhebeln. Die Frage, ob die Grünen sich mehr nach links oder rechts orientieren sollen, hat Özdemir klar entschieden. Er warnt die Grünen vor einem Linksruck. Soziale Themen werden auch bei Özdemir keine Rolle spielen. »Weg von Umverteilungsdebatten«, warnt er seine Partei (vgl. ntv, 1.8.2025). Mit dieser Politik will es Özdemir der CDU schwer machen. Sollte es allerdings auf den letzten Metern noch zu einem wirklichen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hagel und Özdemir kommen, würde das der Linken wohl doch Stimmen kosten.
AfD –Höhenflug dank Merz-Tief und Angst vor Arbeitsplatzabbau: In der Umfrage vom Oktober 2025 gewinnt die AfD, zwei Prozentpunkte gegenüber der letzten Umfrage im Mai hinzu und liegt nun mit 21 Prozent erstmals auf Rang zwei. Das ist der höchste Wert, der jemals für die AfD Baden-Württemberg gemessen wurde. Sie profitiert von der Autokrise und der Angst der Beschäftigten vor Arbeitsplatzverlusten in der Metallindustrie. Auto und Erhalt des Verbrenners sind typische AfD-Themen. Schon sind rechte Listen an den Betriebsräten bei Industriebetrieben wie Daimler beteiligt. Die Mobilisierung von AfD-nahen Gruppen für anstehenden Betriebsratswahlen im Frühjahr 2026 wird zur großen Herausforderung für die IG Metall. Außerdem kann die AfD Nutzen aus den schlechten Beliebtheitswerten der Merz-Regierung in Berlin ziehen. Die AfD gilt in Baden-Württemberg als »rechtsextremistischer Verdachtsfall«. CDU, SPD und Grüne schließen – bislang – eine Koalition mit ihr aus.
SPD – der Abwärtstrend setzt sich fort: Die SPD war von 2011 bis 2016 als Juniorpartner der Grünen an der Landesregierung beteiligt. Bei der anschließenden Wahl rutschte sie erdrutschartig ab. Folgt man den Prognosen, wird die SPD auch bei der Wahl im kommenden weiter Stimmen verlieren. Derzeit liegt sie bei ca. 10 Prozent und damit noch schlechter als im Bund. Von Verdi-Mitgliedern wird kritisiert, dass sie die stellvertretende Verdi-Vorsitzende auf den völlig aussichtslosen Listenplatz 32 wählte. Das ist auch eine Message der Partei, die einst ihre Basis bei den Gewerkschaften hatte.
FDP – Chancen, die Hürde zu nehmen: Die Liberalen liegen konstant bei 5 Prozent und könnten es damit wieder in den Landtag schaffen. Der CDU-Spitzenkandidat Hagel würde sicher gerne eine Koalition mit der FDP bilden. Im Moment sieht es aber nicht danach aus, dass zu einer Deutschlandkoalition aus CDU, SPD und FDP reichen würde.
… Die Linke will verändern
Baden-Württemberg ist ein wichtiges Bundesland für Die Linke. Nach NRW und Bayern konnte hier bei der Bundestagswahl mit 429 484 Zweitstimmen in absoluten Zahlen die drittgrößte Menge an Wähler*innen gewonnen werden. Die Partei geht mit zwei starken Alleinstellungsmerkmalen in diesen Wahlkampf: Nur Die Linke tritt mit einer weiblichen Spitze an, einem Trio. Kim Sophie Bohnen aus Heidelberg, Amelie Vollmer aus Offenburg und Mersedeh Ghazaei aus Stuttgart. Alle drei sind jünger als 30 Jahre und treten kämpferisch und eloquent auf. Und während die anderen Parteien vor allem über Wirtschaftspolitik und Krise der Autoindustrie reden, setzt Die Linke auf die Themen Wohnen, Bildung und Gesundheit.
Fokus auf Mieten, Gesundheit und Bildung
Unter den sechs deutschen Städten mit den höchsten Mieten befinden sich Freiburg, Stuttgart und Heidelberg. Gleichzeitig hat Baden-Württemberg die wenigsten Sozialwohnungen in ganz Deutschland. Daher war es für den Landesverband selbstverständlich, das Thema Wohnen an die erste Stelle des Wahlprogramms zu stellen. „Wer die Wohnungsfrage nicht löst, der gefährdet den sozialen Zusammenhalt in diesem Land«, sagte Spitzenkandidatin Kim Sophie Bohnen auf dem Landesparteitag der Linken im Oktober. Die grün-schwarze Landesregierung verschärfe die Mietenkrise. Gerade hat Wohnungsbauministerin Nicole Razavi (CDU) angekündigt, die Mietpreisbremse für Mannheim und Konstanz abzuschaffen (SWR, 14.10.2025).
Zentrale Forderungen sind eine grundlegende Reform des Mietrechts, die Stärkung der Rechte von Mieter*innen und die Schaffung von 20 000 öffentlich finanzierten, gemeinwohlorientierten Sozialwohnungen pro Jahr.
Das Frauenplenum des Landesparteitags im Oktober 2025 beschloss, kostenfreie Kitas zu einem der Kernpunkte im Wahlkampf zu machen. Damit setzt sich Die Linke von den Grünen ab, die das explizit ablehnen. Obwohl überall im Land Eltern unter den ständig steigenden Kita-Gebühren, verbunden mit einer Reduzierung der Öffnungszeiten, ächzen. Auch die Mobilisierung gegen die Schließung und Privatisierung von Krankenhäusern steht ganz oben im Landtagswahlkampf.
Im Gegensatz zur Politik der grüngeführten Landesregierung steht Die Linke für eine konsequente Friedens- und Abrüstungspolitik. Unter dem Motto »Busse und Züge statt Panzer!« richtet sich das Wahlprogramm gegen deren Versuch, die strauchelnde Automobilindustrie durch Konversion hin zur Rüstungsindustrie zu retten. Die Südwest-Linke fordert die Schließung aller kriegsrelevanten Bundeswehr-Liegenschaften und aller ausländischen Militärstützpunkte. CDU-Landeschef Manuel Hagel fordert, dass Soldat*innen wieder verstärkt an Schulen auftreten sollen und die Zivilklauseln an Hochschulen abgeschafft werden soll. Die Kritik daran wird im Wahlkampf sicher – genauso wie die Wehrpflicht – ein Thema bei jüngeren Wähler*innen sein. Auch der Einsatz der US-Analyse-Software Palantir wird im Wahlkampf eine Rolle spielen, deren Einsatz die Landesregierung hinter verschlossenen Türen betreibt, obwohl deren Nutzung nach geltendem Polizeigesetz nicht zulässig ist.
Bei der Aufstellungsversammlung im September 2025 lehnten alle Bewerber*innen eine Regierungsoption entschieden ab. Man wolle eine lautstarke, unbequeme Opposition im Landtag sein, so Spitzenkandidatin Kim Sophie Bohnen. Die Linke hat gute Aussichten das mit dem Mix aus revolutionärer Realpolitik und klarer Oppositionsarbeit, die sich deutlich von den bürgerlichen Parteien absetzt, zu schaffen.
Durch das neue Wahlrecht können zum ersten Mal auch Jugendliche ab 16 Jahre bei der Landtagwahl ihre Stimme abgeben. Vor allem junge Wähler*innen könnten bei den Linken ihr Kreuz machen. Zudem kann die Linkspartei auf viele traditionelle Wähler*innengruppen, die früher bei den Grünen waren, setzen: jüngere Frauen in Universitätsstädten und urbanen Zentren. Auch bei Arbeiter*innen im Sozialen- und Gesundheitsbereich ist die Linke ein Faktor. Seit Jahren unterstützt sie die Forderungen der Beschäftigten in Kitas und Krankenhäusern und steht bei den Streiks oft schon morgens um 6 Uhr mit Kaffee neben den Streikposten.
Schwer tut sich die Partei hingegen im Umgang mit den drohenden Entlassungen in der Automobilindustrie. Bei Bosch, Daimler Truck und ZF wurden bereits Tausende von Arbeitsplätzen im Südwesten vernichtet. Weitere Entlassungen und Verschlechterungen drohen. Die Forderung der Linken nach »Umbau der Automobilindustrie in eine nachhaltige Mobilitätsindustrie« ist zwar politisch korrekt, wird aber diejenigen, die wegen unmittelbar drohendem Arbeitsplatzverlust um ihre Existenz fürchten, kaum überzeugen. Der Landes-DGB-Geschäftsführer Kai Burmeister kam zum Landesparteitag, als gerade darüber einen Antrag diskutiert wurde, die Autokonzerne in Gemeineigentum zu überführen. Das gehe »ein bisschen an der Realität vorbei«, sagte Burmeister in seiner Rede. »Wir Gewerkschaften kämpfen für sichere Arbeitsplätze, für Standorte, für Investitionen, das ist das, was im Moment ansteht.« (ebd.)
Zu den weiteren Herausforderungen für Die Linke gehört es, überall in einem großen Flächenland präsent zu sein. Dies hat es der Partei seit jeher schwer gemacht, außerhalb der Großstädte ausreichende Wahlergebnisse zu erzielen. Aber die Verdreifachung der Mitgliederzahl auf 10 100 Menschen hat schon in kurzer Zeit zur Stärkung der Parteistrukturen auf dem Land geführt. Geografisch weit entfernt von der Berliner Parteizentrale hat der Landesverband ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein: links, kritisch gegenüber Regierungsbeteiligung und Kuscheln mit SPD und Grünen und »friedenspolitisch stabil««. Bei der Aufstellungsversammlung im September wurden Solidaritätsbekundungen mit Gaza stets mit frenetischem Beifall bedacht. Baden-Württemberg konnte sich auch in für die Linkspartei schwierigen Zeiten kontinuierlich von Wahl zu Wahl steigern. Die sogenannten Linkskonservativen um Wagenknecht konnten im Südwesten vergleichsweise wenig Einfluss gewinnen und nach der Abspaltung hielten sich die Austritte aus Der Linken in Grenzen.
Auf dem Landesparteitag im Oktober wurde der Antrag »Diäten deckeln, Mandatszeit begrenzen: Die Linke als glaubwürdige Anti-Establishment-Partei stärken!« von den Delegierten mit nur einer Gegenstimme angenommen. Vier der sechs MdBs aus Baden-Württemberg gehörten zu den Antragsteller*innen. In der Begründung heißt es: Mandatsträger«*innen »haben verglichen mit anderen Jobs erhebliche immaterielle Privilegien und verglichen mit normalen Parteimitgliedern erhebliche politische Macht. …Wir sind hier, um mit Herzblut etwas in der Welt zu verändern und nicht, um Karriere zu machen. Wir wollen außerdem, dass unsere Mandatsträger*innen… Teil der arbeitenden Klasse und in ihr verankert bleiben… Wir sind uns bewusst, dass die Mechanismen des Parlamentarismus zu einer Entkoppelung vom Leben der arbeitenden Menschen führen.« Vielfach wurde der Wunsch geäußert, dass der Antrag aus Baden-Württemberg anderen Landesverbänden als Beispiel dient.
Die im September gewählte Landesliste ist feministischer, migrantischer, jünger und queerer als je zuvor. Auch ein Novum: Auf Platz sechs der Landesliste setzte sich Utz Mörbe souverän durch, der 20 Jahre lang in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet hat. Er wird aller Voraussicht nach der erste Mandatsträger, der die Interessen der Beschäftigten in Werkstätten in ein Parlament trägt.
Die Landesliste zeigt aber auch Schwächen: Auf den ersten sieben Listenplätzen steht die Mehrzahl derzeit in einem Arbeitsverhältnis bei einem Bundestagsabgeordneten. Und es fehlen Gewerkschafter*innen. Der Landesverband sollte es sich zur Aufgabe machen, sich stärker bei Gewerkschaften und Sozialverbänden zu verankern. Dazu gibt es reichlich Anschlussfähigkeit bei den Themen Arbeit, Soziales und Rente. Die Wahlen selbst sind ein wichtiger Moment der Mobilisierung und für die Verankerung der Linken im Südwesten.
Sollte Der Linken der Sprung in den baden-württembergischen Landtag im März tatsächlich gelingen, wäre das auch ein Signal an andere Bundesländer.