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Interview: »Don’t Believe the hype«

Obwohl ›das Internet‹ ja nicht mehr so ganz neu ist, gibt es einen ziemlichen Hype um die Digitalisierung – oder all das, was darunter gemeinhin gefasst wird. Du hast dich als deutlicher Kritiker dieser Entwicklung und der Debatten dazu profiliert – auch mit Blick auf die Akteure des Silicon Valley. Zwei wesentliche Schwachpunkte siehst du in diesen Debatten: Solutionismus und Internet-Zentrismus. Was genau ist damit gemeint? Solutionismus bezeichnet eine Tendenz, Probleme vor allem unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, inwieweit es dafür schnelle und einfache Lösungen gibt, etwa in Form von Apps oder anderen, meist technischen Neuerungen.

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Die Datenzentren sozialisieren

Wie kamen Sie auf das Thema neue Medien? Ich schrieb an meinem ersten Buch The Net Delusion. Damals ging es mir darum, deutlich zu machen, dass viele von den Tools, Plattformen und Techniken, deren emanzipatorisches Potenzial wir bejubelten, just zum Schaden derselben Aktivisten, Dissidenten und Anliegen, die wir zu fördern versuchten, eingesetzt werden können.[1] Heute klingt das selbstverständlich. Aber damals nahmen die meisten Sponsoren und westlichen Regierungen an, Diktaturen ‒ oder wie auch immer sie autoritäre Regime zu bezeichnen pflegten ‒ würden niemals dazu in der Lage sein, das Internet zu »kontrollieren«, weil sie hierfür zu dumm, zu schlecht organisiert oder schlichtweg zu technikfeindlich wären.